Für die Fassade des Graz Center of Physics (GCP) wurden kürzlich Brandversuche unter realitätsnahen Bedingungen durchgeführt. Konkret handelt es sich um Versuche, die dazu dienen, den Brandschutz der Fassadenelemente, die unter anderem aus Glas und Aluminium bestehen, zu prüfen.
Entlang der vielen Fassaden werden verschiedene Fluchtwege verlaufen und diese Tests sind behördlich vorgeschrieben worden, da beim Graz Center of Physics keine bereits geprüften Standardelemente zur Anwendung kommen, sondern individuell gefertigte Elemente mit einer zusätzlichen Sprinkleranlage. Aus diesem Grund musste das Verhalten im Brandfall gesondert nachgewiesen werden.
Die Versuche wurden mit Video dokumentiert:
Video 1
Für die Versuchsanordnung bei der Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle (MA 39) der Stadt Wien wurde eine Situation im Innenhof des zweiten Untergeschoßes nachgebaut. Der Brandschutz-Test ergab, dass sowohl das Glas als auch die Aluminiumelemente der Fassade hitzebeständig sind. Die Sprinklerköpfe wurden ab einer Temperatur von 68 Grad Celsius nacheinander aktiviert und leiteten den Löschvorgang ein. Der Fluchtweg im Außenbereich bleibt somit uneingeschränkt nutzbar.
Video 2
Für die Versuchsanordnung bei der Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle (MA 39) der Stadt Wien wurde eine Raum-Situation zwischen dem ersten und zweiten Untergeschoß nachgebaut. Der Brandschutz-Test ergab, dass das Glas des Oberlichtenfenster hitzebeständig ist. Die Sprinklerköpfe wurden ab einer Temperatur von 68 Grad Celsius nacheinander aktiviert und leiteten den Löschvorgang ein.
Brandschutz bei einem Universitätsgebäude
Das Brandschutzkonzept für das Graz Center of Physics ist umfangreich und auf die Anforderungen eines Universitätsgebäudes abgestimmt. Die Größe des Gebäudes und die damit verbundene hohe Anzahl an Personen, die dort ab 2030 arbeiten, forschen und lehren werden, sind zentrale Faktoren in der Planung.
Im Vergleich zu anderen Gebäuden im Universitätsbereich ergeben sich hier durch die Labor- und Forschungsbereiche zusätzliche Herausforderungen. „Das gilt für jene Laborbereiche, wo Gase gelagert und verwendet werden. Dafür sind besondere brandschutztechnische Auflagen zu berücksichtigen“, erklärt Klaus Grill, Projektleiter der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) für das GCP.
252 Feuerlöscher
Für ein Gebäude wie das GCP ist eine Brandmeldeanlage vorgeschrieben. Darüber hinaus wird es zusätzlich mit einer Sprinkleranlage ausgestattet.
Zusätzlich sind 118 Wandhydranten und 252 Feuerlöscher in unterschiedlichen Ausführungen (Kohlendioxid-Feuerlöscher, Schaum-Feuerlöscher, AB-Feuerlöscher) vorgesehen, sowie Rauchabzugseinrichtungen in den Treppenhäusern und mechanische Brandrauchverdünnungsanlagen.
Bei den Wandhydranten handelt es sich um ein System mit Trockenleitungen, das im Alarmfall unter Druck gesetzt und mit Wasser gefüllt wird.
Brandschutzplanung von Beginn an
Bei einem Projekt wie dem Graz Center of Physics wird der Brandschutz nicht in einer späten Planungsphase, sondern bereits ab dem Vorentwurf mitgedacht. „Brandschutzexpert:innen sind von Anfang an eingebunden“, führt Klaus Grill aus. „Dabei geht es unter anderem um grundlegende Fragen wie die Breite und Ausführung der Stiegenhäuser, die Führung und Dimensionierung der Fluchtwege und die Brandschutzabschnitte im Gebäude.“ Bereits mit Vorliegen des Vorentwurfs finden erste Abstimmungen mit der Feuerwehr statt.
Brandschutz auch während der Bauphase
Brandschutz ist aber nicht erst mit der Eröffnung des Gebäudes im Jahr 2030 relevant. Auch während der gesamten Bauzeit gibt es ein eigenes Brandschutzkonzept für die Baustelle.
„Im Rohbau sind zunächst noch weniger Aspekte zu berücksichtigen. Mit fortschreitendem Ausbau steigen jedoch die Anforderungen deutlich. Daher werden laufend Konzepte durch die verantwortende Baufirma angepasst und Einsatzbesprechungen mit der Feuerwehr durchgeführt“, so Grill.
Wichtige Themen in dieser Phase sind unter anderem die Lotsenpunkte für Einsatzkräfte, die sich verändernde Zufahrten zur Baustelle, Zugänge und Rettungswege, Fragen der Schlüssel- und Nachtzugänglichkeit und Abstimmungen dazu, wie Einsatzkräfte rasch in das Gebäude hinein- und wieder hinauskommen.
Die Brandmeldeanlage selbst kann schließlich naturgemäß erst dann vollständig in Betrieb gehen, wenn das Gebäude betriebsbereit ist.
Umfassendes Sicherheitskonzept
Mit dem Graz Center of Physics entsteht ein komplexes Universitätsgebäude mit hohen Anforderungen an den Brandschutz. Die aktuellen Brandversuche an der Fassade sind Teil dieses umfassenden Sicherheitskonzepts.
Das Graz Center of Physics wird von der Bundesimmobiliengesellschaft für die Universität Graz und die TU Graz errichtet und wird die Physik-Institute der beiden Universitäten ab dem Jahr 2030 an einem Standort vereinen.
Es wird auf einer Bruttogeschoßfläche von 50.000 m² Platz für rund 1.700 Studierende und etwa 600 Mitarbeiter:innen bieten – mit modernen Labors, Werkstätten und großzügige Lehrflächen.